Newsletter18 #1


Es ist nun bereits einige Zeit vergangen seit dem letzten Newsletter. In der Zwischenzeit, habe ich mich, wie ihr bestimmt mitbekommen habt, für die Olympischen Spiele qualifiziert und in Pyeongchang ein Olympisches Diplom gewonnen. Die letzten Monate waren sehr turbulent. Nach der erfolgreichen Qualifikation bereitete ich mich in Calgary auf den bisher wichtigsten Wettkampf meines Lebens vor. Ich hatte mir eine Medaille im Massenstart zum Ziel gesetzt. Zwar wusste ich, dass ich mir damit selbst einiges an Druck einhandle, aber ohne grosse Ziele wäre das harte Training kaum durchzustehen gewesen. Nachdem ich über die 5'000 Meter und die 1'500 Meter nicht mehr ganz an meine Form und die Ergebnisse vom Herbst anknüpfen konnte, wusste ich, dass ich im Massenstart unbedingt etwas zeigen wollte. Es war für mich persönlich wichtig zwischen den ersten beiden Wettkämpfen und dem Massenstart viel Zeit zu haben, um die ersten Eindrücke von Olympischen Spielen verarbeiten zu können. In den knapp zwei Wochen bis zum Massenstart konnte ich mich neu fokussieren und nochmals spezifisch auf den engeren Kurven für den Massenstart trainieren. Am Wettkampftag wusste, ich dass ich bereit bin. Die Vorbereitung verlief hervorragend und ich wusste, dass ich auch bei einem Sprint Chancen auf eine Medaille haben würde. Doch zuerst galt es das Halbfinale zu überstehen. Ein Halbfinale ist immer ein komplett anderes Rennen als ein Finale, da es für alle darum geht bei den Zwischensprints Punkte zu sammeln. Niemand ist gefeit einmal ein Finale zu verpassen, doch ich konnte die erste Hürde gut nehmen und mich relativ kraftsparend für die Entscheidung qualifizieren.


Massenstart in Gangneung


Fürs Finale haben Kalon, Peter und ich uns eine Taktik zurechtgelegt, die gegen Rennhälfte einen Ausreissversuch vorgesehen hätte. Wir wollten unser Glück nicht in andere Hände legen und wie letztes Jahr bei der WM an gleicher Stelle von einer frühen Attacke überrascht werden. Doch wie das bei Massenstarts so oft ist, man muss flexibel bleiben. So kam es, dass ich mich sehr früh im Rennen gegen den eigentlichen Rennplan entschieden hatte. Die Chance durchzukommen war gering. Das war mir von Anfang an bewusst, doch ich war an Olympia und ich wollte etwas riskieren. Wahrscheinlich war mein Vorstoss eine eher unterbewusste Entscheidung, die jedoch vom Plan beeinflusst wurde selbst aktiv zu werden. Zu Beginn hielt ich mich noch etwas zurück, da keiner der grossen Favoriten mit attackiert hatte. Doch nach ein paar Runden war klar, dass es nun zu spät wäre, sich wieder ins Feld zurückfallen zu lassen. So setzte ich alles auf eine Karte... und wurde wieder eingeholt. Das kann passieren, aber ich bin stolz etwas versucht zu haben und der vierte Platz war schlussendlich, trotz einer ersten kurzen Enttäuschung nach dem Rennen, mehr als eine Belohnung für die Schinderei der letzten Monate und Jahre.


Hätte mir heute vor einem Jahr jemand gesagt, ich würde mich für Olympia qualifizieren, hätte ich sofort unterschrieben. Mit der Qualifikation über drei Distanzen, einem Olympischen Diplom und dem besten Ergebnis eines Schweizer Eisschnellläufers aller Zeiten, hätte ich vor 12 Monaten nie gerechnet.


Empfang im Bundeshaus


Nun ist schon einige Zeit vergangen seit Südkorea. Ich durfte in Kloten einem wundervollen Empfang der Schweizer Delegation beiwohnen und anschliessend hatte ich endlich mal wieder etwas Zeit um Ferien zu machen, mich zu entspannen und die letzten Monate reflektieren zu können. In der Zwischenzeit bin ich schon wieder auf den Inline aktiv. Zusammen mit Peter habe ich auf die neue Saison zu Kalon ins Arma Racing Team gewechselt.


Europacup in Heerde (NED)


Die ersten drei Europacuprennen liefen mal besser, mal schlechter. Die fehlende Vorbereitung auf die Inline-Saison zeigt sich noch beachtlich. Doch ich bin zuversichtlich wieder eine gute Saison auf den Rollen hinzubekommen und vor allem bin ich motiviert wie noch nie, mich auf dem Eis weiterzuentwickeln. Mein Weg als Eisschnellläufer wurde im vergangen Winter richtig eingeläutet. Nun will ich die nächste vier Jahre herausfinden, was noch in mir steckt. Niemand kann wissen, was über eine solange Zeit passieren kann, doch wenn ich gesund bleibe und mich weiterhin entwickeln kann, dann hoffe ich, dass beim nächsten Mal aus Platz 4 vielleicht eine 3, eine 2 oder sogar eine 1 wird.


Euer Livio


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